Hamptons, Ralph Lauren und Eliteuniversitäten – der Old Money Trend

Der Old Money Trend erobert dank TikTok das Internet. Denn die neue Ästhetik bietet nicht nur Grundfläche für einen Lifestyle, sondern auch für altbekannte Modemarken.


Alte Anwesen in Europa, Ausflüge auf der Familienyacht, Picknicke im alten Schlossgarten, Ralph Lauren Röcke – nur ein paar Sachen, mit denen Old Money definiert werden kann. Mit über 642 Millionen Aufrufe allein auf TikTok ist die Old Money Ästhetik wohl einer der beständigsten in unseren Social Medie Welt. Von Gen Z ins Leben gerufen, bietet der Trend jedoch mehr als nur Inhalt für kurze Videos. Hierbei handelt es sich nämlich um einen Lifestyle, der durch Kleidung, Hobbys, Architektur und mehr definiert wird. Der Plot Twist an dem Ganzen? Die Personen, welche nach diesem Lifestyle leben, besitzen meist gar kein großes Vermögen, geschweige denn “altes Geld”. Was hat dieser Trend also auf sich?

Was ist die Bedeutung?

Zuerst sollte erklärt werden, was Old Money überhaupt bedeuten soll. Schließlich ist Geld, im Idealfall zeitlos und dementsprechend beständig. Tatsächlich handelt es sich bei dem Namen nicht darum, wie alt Geld ist, sondern wie lange der Besitzer schon Geld besitzt. Im besten Fall so viel davon, dass sich die kommende Generation nie darüber Gedanken machen müssen. Um es kurzzufassen: Familien, oder Dynastien, deren Vermögen von Generation zu Generation weitergegeben wird. In der USA kann das die weiße Elite sein, die seit der Gründung der Staaten oder danach reich geworden sind. Familien, deren Mitglieder alle auf dieselbe Eliteuniversität gehen und zwischen Hampton und Manhattan residieren. 

Ein gutes Beispiel wären die Kennedys, um amerikanisches Old Money ein Gesicht zu geben. Wogegen in Europa das die Royal Familie sein kann. Wie auch das Leben in alten Anwesen oder Schlössern an verschieden Seen, die seit Jahrzehnten Hotspots für Touristen sind. Wichtig dabei ist, dass der Reichtum bereits seit mehrere Generationen innerhalb der Familien vorhanden ist. Im europäischen Raum sprechen wir also von Familien, die bis in die frühen Jahrhunderte ihren Familienbaum zurückverfolgen können. Denn das macht den Begriff schließlich aus und differenziert das “alte Geld” von “neuem” – sprich Personen, die in den letzten Jahrzehnten erfolgreich geworden sind und somit zum New Money gehören.

Was hat das mit Mode zu tun?

Seit Anbeginn von der Klassengesellschaft wurde Mode dazu verwendet, deutlich zu machen “wohin man gehört”. Allein die Griechen hatten strenge Regeln, damit durch die Kleidung sichtbar wurde, zu welcher Gesellschaftsschicht die Person gehörte. Mittlerweile hat sich das Ganze etwas gelockert, was jedoch nicht verhindert, dass Mode immer noch als Mittel genutzt wird, um klarzumachen, wer oder was man ist. Aktuell geht die Tedenz dahin, dass Reiche von Kopf bis Fuß in Markenlogos gekleidet sind. Doch, wie oben bereits erklärt, sind das New Money Personen. Denn die Mode der Old Money Gruppe kann mit einem Begriff erklärt werden: zeitlos. Dazu gehören nun einmal keine großen und bunten Logos.

Im Gegenteil, oft präferieren diese Personen Kleidung, welche auf den ersten Blick nicht als teuer zu definieren sind. Es sei denn, man kennt die Marken und Designer und weiß, worauf man achten muss. Die Diskretion der Kleidung spricht jedoch nicht gegen ihre Qualität. Sei es der Loro Piana Pullover, die Patek Philippe Uhr, oder doch lieber die Rolex – all das sind Modestücke, welche noch in 30 Jahren tragbar sind und im Idealfall vererbt werden können. Dadurch erhalten sie einen neuen Wert, emotional und finanziell, sowie einen gewissen Vintage-Touch.


Der Old Money Trend

An sich klingt der neue Trend nach nichts Neuem. All die Fakten, welche ich bisher aufgezählt haben, sind uns durch Filme und Büchern schon bekannt gewesen. Wieso also, wird dieser Lifestyle dermaßen gefeiert? Die Frage ist genauso schwierig zu beantworten, wie die von all den anderen Vintagetrends. Sei es der Y2K-Hype, der für die 90er oder 70er, sie alle liegen in der Vergangenheit, aber werden dennoch innerhalb der Modewelt gefeiert und immer wiederbelebt. Der Unterschied jedoch ist, dass Old Money eine Elite betrifft, die kaum jemand noch beitreten kann. Denn wir sprechen hier von Familien, die seit Jahrhunderte ein Teil davon sind und dementsprechend auch einen engen Kreis bilden.  

Gen Z ist eine Generation, die, abgesehen von einer Hochzeit oder Adoption, niemals ein Teil davon sein können. Dennoch sehen sie in dem Lifestyle eine Faszination, die sie dazu bringt, dieselben Marken zu tragen, wie auch Hobbys und Interessen dieser Elite ausleben zu wollen. Dass Old Money auch meistens weniger Diversity, Inklusion und Rechte für bestimme Menschen bedeutet, scheint irrelevant. Den Fans geht es um das Gefühl und den schönen Seiten dieser Gruppe, nicht um ihre Probleme oder schlechten Eigenschaften. Denn im Burberry Mantel, in der alten Bibliothek und bei Tee um 5 lässt sich das Leben manchmal einfach besser leben. Das wissen nun auch diejenigen unter uns, die kaum Geld haben.