Kunstfell oder Echtpelz?

Diese Frage spaltet die Modewelt. Einerseits wird Fell verehrt, anderseits geächtet. Doch ist Fake-Pelz tatsächlich besser?

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Schon seit Jahren kämpfen Tierschützer darum, dass Tierfell aus dem Sortiment genommen wird. Luxusmarken wie Gucci, Burberry und Prada haben das bereits getan. Auch H&M, Esprite oder Zara haben dem Pelz abgeschworen. Doch die Stimmen gegen Fake-Fur werden immer lauter. Denn die Alternative zu Pelz ist nicht umweltfreundlich.

Fake-Fur: gut oder schlecht?

Für die Produktion von Kunstfell werden Acryl-Fasern benutzt. Und Acryl ist nicht gut für die Umwelt. Greenpeace schreibt in einem Bericht (2017), dass Synthetikstoffe, wozu auch Acrylfasern gehören, nicht besser als Mikroplastik seien. Sie begründen es damit, dass das Material bei jedem Waschgang Unmengen an Mikroplastik verliere. Die Mikrostücke können nicht auf natürliche Weiße abgebaut werden und sind „hunderte von Jahren im Umlauf“.

Der Schein trügt

Ebenfalls ein Problem ist die Vermischung von Kunst- und Echtpelz. Stiftung Warentest brachte dazu eine Studie (2016) heraus, in der sie Proben von Kleidungen mit Kunstfell nahmen und diese testeten. Bei jeder Probe wurde echtes Fell gefunden. „Vor allem Felle von Marderhunden werden sehr billig auf dem Markt angeboten“, so Stiftung Warentest. „In China werden Marderhunde massenhaft in Farmen gehalten, oft unter erbärmlichen Bedingungen, wie Tierschützer berichten.“ Doch auch das Desinteresse der Verkäufer ist das Problem. Wenn es bereits bei der Herstellung zur Vermischung von echten und unechten Materialien kommt, kann dies nicht verfolgt werden.

Wie erkenne ich Kunstfell?

Damit beim Kauf erkenntlich ist, ob es sich bei den Textilien um Pelz oder Kunstfell handelt, kann die ein oder andere Methode probiert werden. Jedoch sind sie keine 100-prozentige Garantie!

  1. Beim Unterwolltest wird das Unterfell genauer betrachtet. Von Fake-Pelz ist die Struktur gleichmäßig und die Härchen einheitlich. Der Echtpelz ist jedoch unterschiedlich.
  2. Der sogenannte Leder-Test achtet auf die Befestigung der Härchen. Fake-Fur ist an Gewebe befestigt, während Pelz an der Haut der Tiere befestigt ist.
  3. Beim Brenntest werden die Härchen angezündet. Hierbei werden einzelne Härchen von der Textilie genommen und angezündet. Ist der Geruch wie bei verbranntem Haar und die Härchen verbrennen, handelt es sich um Echtpelz. Sollte das Härchen jedoch verschmelzen und nach Plastik riechen, handelt es sich um Kunstfell.
  4. Der wahrscheinlich bekannteste Test ist der Pustetest. Hier wird der Pelz angepustet. Sollte sich das Material wieder in seine Ursprungsform zurückfinden, ist es echt. Wenn es das nicht macht, handelt es sich dabei um Kunstfell.

Was soll ich nun tragen?

Leider kann darauf keine Antwort gegeben werden. Selbstverständlich ist das Töten von Tieren für die Mode unentschuldbar. Genauso sind die Produktion und Besorgung von falschem Pelz nicht ideal. Die Zeit, in der gesagt werden konnte, dass die Alternative besser als das Original ist, haben wir schon lange hinter uns. Wir wisse, was Mikroplastik mit der Umwelt macht und wo es letztendlich landet- und zwar auf unserem Teller. Die ideale Lösung ist, einfach keine Form von Pelz zu tragen. Doch das ist unwahrscheinlich. Jeder muss sich selbst fragen, ob er diese Lösung akzeptieren möchte oder nicht. Oder dass ihm die Tötung von Tieren moralische falsch vorkommt, aber die langsame Zerstörung und Verschmutzung von deren Lebensräumen nicht.

Mögliche Alternativen

Selbstverständlich ist das kein Grund, alle seine Jacken zu testen und im schlimmsten Fall wegzuschmeißen. Das ist genauso umweltschädlich. Doch beim nächsten Kauf einer Jacke, einem Hut oder anderen Kleidungsstücken kann zu einer der Alternativen gegriffen werden, die wir hier auflisten.

  1. Second-Hand Shopping

Wie jetzt? Zuerst soll kein Pelz gekauft werden und nun doch? Diese mögliche Alternative sagt tatsächlich „Ja“ zum Pelz. Denn, genauso wie beim Leder, gibt es die Textilien bereits und es wird sie auch weiterhin geben. Wenn nun also ein Vintage-Stück gekauft wird, anstatt ein nagelneues, wird ein Statement gesetzt. Denn die Nachfrage bei den Designer:innen steigt nicht an. Ihnen wird nicht symbolisiert, dass Pelz in ist und gekauft wird. Stattdessen wird ein Kleidungsstück mit Pelz gekauft, welches schon seit Jahren existiert und gerne ein Teil deiner Garderobe sein würde!

  1. Schurwolle

Die Schurwolle ist ebenfalls ein Tierprodukt, weshalb beim Kauf auf einiges geachtet werden muss. Doch wenn es dann so weit ist und die Wolle richtig behandelt wird, hat man ein Kleidungsstück für das Leben. Ohne, dass dabei ein Tier sterben musste. Bei der Wolle muss auf zwei Sachen geachtet werden: Dass bei den Tieren kein Mulesing gemacht wurde und sie gut behandelt werden. Denn oft werden die Schafe beim Scheren geschlagen, getreten, geschnitten oder sogar verstümmelt. Dafür gibt es mittlerweile Zertifikate. Werden diese Bedingungen eingehalten, erhält man Kleidung, die biologisch abbaubar und sehr hochwertig ist.

  1. Nachhaltige Alternativen

Heutzutage kann Kleidung aus fast allem hergestellt werden. Nicht nur, dass die Qualität dabei gut ist, nein, die Mode sieht auch gut aus. Sei es aus Kork, Bambus, recycelten Materialien oder Lebensmitteln – die Auswahl ist riesig. Wieso also nicht einen Mantel aus recyceltem Polyester oder Bambus kaufen? Die Suche wird jedoch im Internet erfolgreicher als im Laden sein. Auch sollte man sich gut informieren, bevor ein Kleidungsstück gekauft wird. Denn sie sind wahrscheinlich nicht jedermanns Sache.

ROCK IT! 3 Outfits mit Alternativen für Pelz

Bio-Schurwolle Mantel
Bunter Pullover
Wide Jeans
Ohrringe Lapis Lagoon gold
Combat Boots
Denim-Kurzes Kleid
Chelseaboots
Wintermantel
Cord Hose Slim Fit
Rollkragenpullover
Biker Boots