Share & Care : On-Off-Beziehung mit Fast Fashion

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Fast Fashion ist und bleibt ein großer Bestandteil der Modewelt. Der Hype um die neusten Kollektionen zum günstigen Preisen wird jedoch durch die menschen- und umweltschädlichen Produktionen überschattet. Für viele ist Fast Fashion jedoch oft die einzige Möglichkeit Klamotten zu kaufen.

Als ich das erste Mal bei H&M bewusst einkaufen ging, war ich 12. Davor hatte meine Mutter uns immer in regionale Klamottenläden gebracht, welche mehrere Marken auf einmal verkauften. Meine kleine Schwester wollte unbedingt zum schwedischen Modehaus. Dass ich begeistert war, ist untertrieben. Mir eröffnete sich eine komplett neue Welt, die durch anderen Marken wie New Yorker, Tally Weijl oder Pimkie erweitert wurde. Mein Modebewusstsein wurde damit erweckt und Stück für Stück bildete sich ein Style, der für mich stand. Damals kannte ich den Begriff Fast Fasion noch nicht. Geschweige denn, was er zu bedeuten hatte.

Mittlerweile weiß ich, was der Umwelt und den Menschen durch Fast Fashion angetan wird. Von der Verschmutzung, den schrecklichen Arbeitsbedingungen, das Fördern von einem verschwenderischen Konsumverhalten oder sinnlosen Beseitigung von alten Kollektionen. Diese Aspekte werden immer wichtiger für mich, wenn ich mir ein neues Kleidungsstück kaufen möchte. Genauso wie das Material, aus dem mein Pullover oder Mantel bestehen. Ich würde sagen, dass mir bewusst ist, welche Modeläden ich meiden sollte, damit ich genau diese Produktionen nicht unterstütze.
Doch das Problem ist, dass selbst Marken, die teuer und hochwertig sind, solche Methoden verwenden. Teilweise beziehen teure Marken wie BOSS oder Tommy Hilfiger ihre Ware aus Bangladesch. Von denselben Lieferanten wie für H&M oder C&A. Die Ware wird somit genauso minderwertig produziert, die Angestellten sind ebenfalls unterbezahlt und auf die Umwelt wird keine Rücksicht genommen. Teurer bedeutet somit nicht automatisch fair. 

Mit “Geh eben woanders einkaufen” ist nicht für jedermann der “Teufelskreis” von Fast Fashion gebrochen. Vor allem, da sich nicht jeder ein Oberteil für 100 Euro leisten kann.
Der Schriftsteller Terry Prachett hat in seinem Buch Helle Barden (1993) eine interessante Antwort auf das ökonomische Hindernis gefunden. Darin stellt er die Theorie auf, dass es Personen gibt, die sich für 50 Dollar ein gutes Paar Stiefel kaufen können. Diese können 10 Jahre halten. Während es andere gibt, die nur mittelmäßig Stiefel für 10 Dollar kaufen können. Diese halten, aufgrund ihrer Qualität höchstens einen Winter und im nächsten Jahr muss ein neues Paar gekauft werden. Dabei kommen sie auf eine Summe von 100 Dollar in 10 Jahren. Das Problem ist nicht, dass sie keine Stiefel für mehr Geld kaufen wollen, sondern es nicht können. Manche Menschen haben nicht das Geld, um hochwertiger einzukaufen, weil sie zwar neue Kleidung benötigen, aber auch gleichzeitig andere Rechnungen bezahlen müssen. Ohne dabei zu verhungern, ihre Wohnung oder andere lebensnotwendige Güter zu verlieren.

Ich habe das Privileg zur höheren Mittelschicht zu gehören. Trotzdem fehlt auch mir manchmal das Geld für etwas Neues zum Tragen. Da ist es logisch, dass wenn ich einen Mantel brauche, ich einen kaufe, der preislich in meiner erschwinglichen Preisklasse ist. Wie bei vielen anderen wahrscheinlich auch kann ich dann nicht immer auf die Produktion achten. Menschen, die wenig Geld haben oder nicht immer das nötige Kleingeld sind nicht das Problem. Sondern, dass vor Jahren der Vorgang der Fast Fashion Produktion wortlos hingenommen wurde und durch den exzessiven Kauf unterstützt wird. Letztendlich geht es nicht darum, wo eingekauft wird, sondern wie viel.  Nicht wegen Personen, die kein Geld für teure Marken haben, ist Fast Fashion ein Problem. Sondern wegen sinnloser Einkäufe und kurzlebigen Modetrends.


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