Share & Care: Vegan im Januar?

Neues Jahr, neues Glück! Wie jedes Jahr hat der ein oder andere einen neuen Vorsatz, welcher unbedingt in 2022 umgesetzt werden muss. Viele fokussieren sich dabei auf die Ernährung: sei es gesünder oder umweltfreundlicher. Nicht selten versuchen dabei einige ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Jedoch kann dabei ein Schritt weiter gegangen werden. Indem der ganze Januar vegan, auch bekannt unter dem Begriff Veganuary, verbracht wird.

“Das ist nicht euer Ernst?” Genau das war der erste Satz, den meine kleine Schwester und ich hörten, als wir unseren Eltern erzählten, dass wir nun Vegetarier sein wollen. Seitdem hat sich einiges verändert und vor allem meine Mutter versucht Fleisch zu meiden. Zu Beginn war das jedoch gar nicht so einfach. Kommentare, Vorwürfe und fehlendes Verständnis haben uns oft verunsichert. Dabei war das im Jahr 2018 und nicht wie bei manch anderer viel früher. 

Vegetarier in Deutschland

Mittlerweile ist eine vegetarische Ernährung normal und weit verbreitet. Allein in Deutschland gaben im Jahr 2021 7.5 Millionen Menschen an, Vegetarier zu sein. Eine Million mehr als im Jahr zuvor. Der Lebensmittelmarkt passt sich dementsprechend an, wie auch Restaurants und große Ketten. Doch beim Verzicht auf Fleisch und Fisch hört das Ganze nicht auf. Der Veganismus ist die nächste Stufe. Diese Ernährungsform erfreut sich zwar großer Beliebtheit und  immer wiederkehrenden Hype, wird jedoch nicht dermaßen konsequent akzeptiert und durchgesetzt wie andere Formen.

Keine tierische Produkte essen?

Grundlegend kann gesagt werden, dass es hierbei einfach am mangelnden Verständnis und Informationsmangel liegt. Personen hören nur, dass beim Veganismus keine Eier, keine Milch, selbstverständlich kein Fleisch und Fisch und die ein oder andere Sache nicht mehr gegessen werden darf und blocken sofort ab. Dass dadurch eine komplett neue Wahrnehmung von Ernährung und Konsum entstehen kann, wird ignoriert. Oder dass die Misshandlung von Tieren, Ausbeutung von Ländern, Verschwendung von Lebensmitteln und Zerstörung der Umwelt wichtige Gründe  für diese Ernährungsform sind. Weshalb im Jahr 2014 der erste Veganuary ins Leben gerufen wurde.

Wieso ein veganer Januar?

Der Veganuary ist eine Bewegung, die dazu aufruft, im Januar komplett auf tierische Lebensmittel, sowie Produkte im Alltag zu verzichten. Die pflanzliche Ernährung steht dabei im Fokus und soll sie für einen Monat Mainstream machen. Mittlerweile ist daraus eine gleichnamige Organisation entstanden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, international über die Ernährungsform zu informieren, Teilnehmer:innen Rezepte und Tipps zu versenden und den veganen Monat zu vermarkten. Offiziell haben sich im Jahr 2021 weltweit fünf Millionen Personen für den Veganuary Newsletter angemeldet. Wie viele jedoch tatsächlich mit und ohne Newsletter den ersten Monat ohne tierische Produkte bestanden haben, ist unklar.


Der Selbstversuch

Letztes Jahr habe ich ebenfalls daran teilgenommen und bis auf ein Rührei am 1. Januar gut mitgemacht. Mir fiel die vegane Ernährung nicht sonderlich schwer, da ich bereits davor veganen Käse konsumiert habe und als Student das Nichtkaufen von tierischen Produkte nicht sonderlich auffällt. Jedoch habe ich genau den Fehler begangen, vor dem jeder gewarnt wird: auf meine Ernährung zu achten. Mit jedem weiteren Tag wurde ich erschöpfter und kam kaum aus dem Bett heraus. Teilweise lag ich einfach nur stundenlang, nachdem ich aufgewacht war, im Bett, weil man Körper zu mehr nicht imstande war. Ich hatte nicht auf meine Einnahme von Vitamine, Proteine und dergleichen geachtet, sondern den einfachen Weg gewählt. Dieser bestand aus Reiswaffeln, Hummus und hin und wieder eine Banane. Was im Endeffekt zu einem bösen Vitaminmangel führte und einem Besuch bei meinem Hausarzt. Dieses Jahr würde ich das natürlich anders machen. Doch mir ist auch bewusst, dass dies mehr Zeit beanspruchen würde, wofür ich aktuell keinen Kopf habe. 

Unser Feedback

Je nachdem wer diese Bewegung mitmachen möchte, sollte sich bewusst sein, dass die ganzen veganen Influencer:innen und Köche:innen nicht umsonst so viele Ersatzprodukte zu ihren Gerichten hinzufügen. Auch, dass man eindeutig öfters einkaufen gehen muss, um nicht plötzlich zwei Tage lang von Brot und Hummus leben zu müssen. Wahrscheinlich war ich naiv und faul, doch das tägliche Avocadotoast ist nicht das Deluxe Vegan Meal 100. Informieren und Ausprobieren sind die Basis für Veganuary. Wer dafür keine Zeit oder Lust hat, sollte vielleicht langsam anfangen und nur einen Tag in der Woche vegan essen. Oder sich überlegen, welche Rolle, Fleisch und Fisch in seinem Leben spielen und besonders den Konsum dieser tierischen Produkte bewusst reduzieren. Ich denke, allgemein ist es in der Ernährungsdebatte viel wichtiger Dinge bewusst zu reduzieren, anstatt sich fest vorzunehmen komplett darauf zu verzichten. Nur um dann an einem Vitaminmangel wie ich zu leiden oder schlicht und einfach die Gelüste eines Tages überhandnehmen. Verbote sollte man sich selbst in der Ernährung nicht setzen, sondern vielmehr mit Verstand an das Thema herangehen, mit Reduzierungen und einer bewussten, kontinuierlichen Ernährung seinen Weg finden.