Share & Care: Wieso sind Konfektionsgrößen nicht einheitlich?

Heutzutage sind viele Klamotten in unterschiedlichen Konfektionsgrößen verfügbar. Bekannte Marken werben mit Große Größen, Curvy oder Plus Size. Alles schön und gut, würden die Größenangaben einem mehr helfen, als zu verwirren.

In meinen Händen habe ich mehrere Kleidungsstücke. Ich bin auf dem Weg zur Umkleide und bin mir eigentlich sicher, dass die meisten Klamotten passen werden. Oder?
Leider probiere ich dann doch mal ein Oberteil, eine Jeans oder ein Kleid an, nur um dann zu realisieren: Ich bin zu groß. Obwohl meine eigentliche Kleidung in genau derselben Konfektionsgröße neben mir zusammengefaltet liegt.
Mit 22 Jahren bilde ich mir ein zu wissen, was ich für eine Größe bei meiner Kleidung brauche und welche nicht. Bei Jeans und Hosen ist das wieder etwas komplett anderes. Was daran liegt, dass es mittlerweile so viele Schnitte und Stoffe gibt, dass ich mich teilweise durch drei Größen durchprobieren muss. Nur um dann letztendlich frustriert aufzugeben. Genau dasselbe passiert mir aber auch hin und wieder bei anderen Kleidungsstücken.

Die Probleme mit nicht passenden Größen sind nichts Neues. Immer wieder gehen Tweets viral, in denen sich Käufer:innen über die falsch angegebenen Maße beschweren. Jedes Mal gibt es Zustimmung aus der ganzen Welt. Dennoch wird nichts dagegen gemacht. Wieso nicht, wenn tausende von Menschen sich in Klamotten zwingen, die laut der Zahl auf dem kleinen Zettel passen sollten?
Das Problem ist nicht, wie oft behauptete wird, dass die Deutschen dicker werden. Sollte es nämlich wirklich eine 40 geben, die eine 36 tragen möchte, ist das ein anderes Thema. Wir sprechen hier von Menschen, die fehlgeleitet werden. Nur um dann enttäuscht nach Hause zu gehen und sich unwohl zu fühlen. 

Hersteller die ihre Größen selbst festlegen sind Alltag in der Modebranche. Zwar gibt es innerhalb der EU Regeln, doch die Zahlen werden dann so angegeben, dass sie auf dem Papier passen. Die Realität sieht dann oft kleiner oder größer aus.
Der Grund für die selbständige Zuordnung von Konfektionsgrößen ist vielseitig: das Image der Marke, die erwünschte Zielgruppe oder die gewollte Außenwirkung der Kleidung. Ein hippes, modernes Unternehmen möchte nicht, dass 40-jährige Mütter ihre Ware kaufen und somit die gewollte junge Zielgruppe verjagen. Das erscheint zwar nicht fair, ist aber nachvollziehbar.
Doch viele Marken nutzen auch Schmeichelgrößen, um Kunden anzulocken. Diese Art von Größen geben eine kleinere Zahl an, als das Kleidungsstück eigentlich ist. Damit die Person, welche dann diese anprobiert denkt, dass sie nun 38 statt 40 braucht.
Dadurch erhalten die Kunden:innen ein gutes Gefühl, welches später eine positive Assoziation zu der Marke entstehen lässt. Sprich, eine Person passt in Konfektionsgröße  38 der Marke und nicht wie sonst in eine 40. Das klingt vorerst ganz nett, ist jedoch genauso schädlich. Dadurch wird ebenfalls ein verzerrtes Bild des eigenen Körpers geschaffen und Verwirrung gestiftet: “Wieso passe ich bei Laden X in die 40, aber hier bei Laden Y nur in die 42?” 

Body Positivity und die Vertretung verschiedener Körper sind heutzutage wichtige Bereiche in der Mode. Das Zeitalter der mageren Model ist, im Idealfall, vorüber. Genauso, dass dicke Menschen sich in Oversized T-Shirts und Hosen verstecken. Mit den sozialen Medien und dem Repräsentieren unterschiedlichen Körpergrößen auf den Laufstegen wollen auch diese Menschen stylisch angezogen sein. Wir müssen nicht einmal von Personen sprechen die 100 kg+ wiegen. Nein, wir sprechen von denen, die wir täglich sehen und wir teilweise auch selbst sind. Die mehr Bauch haben, große Brüste, breite Schultern, lange Beine, weite Hüfte und so weiter.
Es kann doch nicht sein, dass eine Shoppingtour zu einem Kriegszug gegen den eigenen Körper wird. Denn oft richtet sich nicht der Ärger gegen die zu enge Jeans oder dem zu engen Oberteil. Nein, oft machen wir uns die Vorwürfe. Wenn auch unbewusst.
Wir sollten nicht versuchen in Größen zu passen, sondern Klamotten kaufen, die uns passen.

Als junge Frau möchte ich Klamotten anprobieren, ohne mir danach Gedanken wie: “Bin ich dicker geworden? Ist mein Bauch einfach angeschwollen? Ist die Größe eigentlich für Jüngere?” machen zu müssen. Soweit ich weiß, gehöre ich zu der Zielgruppen der Marken, bei denen ich einkaufe. Mir entgeht mit dem ganzen Ärger nicht nur der Spaß am Einkaufen, sondern auch das Gefühl für meinen eigenen Körper. Was mir keine Hose oder kein Kleid dieser Welt wert ist.