Share & Care – Wieso Weihnachten toll ist

Weihnachten steht vor der Tür. Die meisten von uns haben, wenn sie Heiligabend feiern, bereits Geschenke gekauft, den Zug nach Hause gebucht oder feste Pläne für den Geburtstag von Jesus. Auch ich mache mich auf den Weg in die Heimat und kann es kaum abwarten!

Meine Familie hat feste Rituale an Weihnachten. Bisher wurden immer wieder neue hinzugefügt, aber wirklich selten welche gestrichen. Eine der wichtigsten ist, dass die Geschenke nicht vor dem Abendessen geöffnet werden. Zwar hat meine Mutter uns einmal die Wahl gelassen, doch die Empörung war groß und seit dem wird das nicht mehr angesprochen. Ich würde schon sagen, dass meine Familie eine interessante Mischung ist. Mein Vater ist Muslim und interessiert sich eigentlich nur für das Abendessen. Meine Mutter dagegen lag es immer am Herzen, dass wir Weihnachten zusammen feiern. Wir hatten das volle Programm: Weihnachtslichter, Weihnachtsbaum, Geschenke, Weihnachtsmann und so weiter. Doch desto älter wir wurden, desto offensichtlicher wurde es, dass meine Mutter eine Menge zu tun hatte, um das aufrecht zu halten.

Wir wurden nicht mehr mit unserem Vater zum Spazieren gehen geschickt, damit der Weihnachtsmann kommen konnte. Keine Wunschlisten wurden erwartet. Der Weihnachtsbaum wurde immer spontaner gekauft. Was oft hieß, dass meine Eltern am Abend vor dem 24. einen kaufen gingen und meistens sehr genervt zurückkamen. Auch wurde das Schmücken des Baumes zur Aufgabe von uns Kindern, was nicht immer leicht ist, wenn deine Schwestern Perfektionistinnen sind und ihr generell vor dem Fernseher steht, auf dem gerade dein Vater einen Film schaut. Was ihn dazu bringt, sich auf euch zu fokussieren und Kommentare zur Verbesserung bringt, bis deine Mutter genug gehört hat und ihn damit droht ihn rauszuschmeißen, bis es Essen gibt. Was uns zum nächsten Punkt bringt: das Essen. Das Abendessen wurde plötzlich nicht mehr von den Eltern geplant, sondern von uns Kindern. Was daran liegt, dass wir bestimmte Vorstellungen hatten, die unsere Eltern nicht mehr erfüllen konnten und wollten. Mittlerweile plane ich das Essen schon ab November (dank bestimmter Ansprüche und Vegetarier + Baby), wir wichteln, statt jedem etwas zu kaufen und niemand darf nein zum Spieleabend sagen. Natürlich bringt Heiligabend einen gewissen Zwang mit sich, doch nichts spricht dagegen, einen Abend lang so zu tun, als hätten wir alle wirklich Lust darauf.

Weihnachten hat über die letzten Jahre seinen kindlichen Traumglanz verloren. Meine Schwestern und ich wurden immer mehr in die Planung involviert, bis wir plötzlich das Fest alleine geplant haben. Meine Eltern sind mittlerweile das Finanzteam und Helfer für alles. So schwer das in den letzten Jahren auch zu verstehen war, bin ich dankbar, dass es so gekommen ist. Denn meine Mutter und auch mein Vater haben fast 16 Jahre lang alles getan, damit wir ein Weihnachten wie viele andere Kinder haben. Mit Familie, Geschenken und dem ganzen Drum und Dran. Was sicherlich nicht immer einfach gewesen ist. Nun haben meine Schwestern und ich eine Möglichkeit, genau die Rituale weiterleben zu lassen, die uns beigebracht wurden und selbst ergänzt haben. Auch wenn der Anfang schwer war und wir hin und wieder ein paar Pannen hatten, bin ich jedes Jahr sehr glücklich, wenn meine Schwestern und ich das Abendessen kochen oder der Weihnachtstisch genauso aussieht, wie wir ihn uns vorgestellt haben. Genauso, wenn ich erkenne, dass Weihnachten der perfekte Anlass ist, um zu realisieren, wie weit wir gekommen sind. Deshalb ist Weihnachten so toll.