Wieso muss es einen Wandel in der Lederindustrie geben?

Bei Leder handelt es sich um ein natürliches Material, robust, langlebig und atmungsaktiv. Es überzeugt durch Qualität und Eleganz und ist fester Bestandteil bei fast allen großen Modelabels. Für viele geht der Trend jedoch weg vom Leder – woran das liegt und welche Alternativen es gibt, erfahrt ihr hier.

Besonders das Gerben belastet die Umwelt. Dabei handelt es sich um  die Haltbarmachung des Leders. Giftige Chemikalien sind das günstigste Verfahren der Gerbung, weshalb viele Betriebe, vor allem im Fast Fashion Segment auf diese Methode zurückgreifen. 80 % der Gerbereien weltweit befinden sich in Asien. Meist werden Chromsalze, ein Schwermetall, welches in afrikanischen Tagebauen energieintensiv abgebaut werden muss, eingesetzt. Die Chromsalze werden zum Behandeln der Häute mit Wasser vermischt. Die Entsorgung der ätzenden Stoffe erfolgt meist im herkömmlichen Abwasser. Wodurch die Giftstoffe in Flüsse, Seen und Meere gelangen und schließlich durch das Einsickern im Boden im Grundwasser enden. Nicht nur der Natur, sondern auch Tieren, Pflanzen und Menschen wird durch die Chromsalze im Abwasser Schaden zugefügt.  

Mögliche Alternativen zu Leder

Es gibt die Alternative der pflanzlichen Ledergerbung. Besonders kleine Unternehmen, außerhalb des Fast Fashion Segments setzen auf das pflanzliche Verfahren. Die benötigten Gerbstoffe kommen ganz natürlich in Früchten, Rinden, Hölzern, Blättern und Wurzeln von Pflanzen und Bäumen vor. Sie schützen diese vor Schadinsekten und Krankheitserregern. Extrahiert und für die Gerbung eingesetzt, sichern sie wiederum das Leder vor Fäulnis, Sonneneinstrahlung und anderen (Umwelt-)Einflüssen. Es sind keine zusätzlichen chemischen Zusätze notwendig. Die Rückstände können somit problemlos im Abwasser entsorgt werden.   

Veganes Leder aus Müll 

Anstelle des herkömmlichen Kunstleders, welches aus Erdöl hergestellt wird, kann Plastikmüll genutzt werden. Kunstleder ist nicht mehr als biegsames Plastik, das durch erdölbasierte Farben erstrahlt und das, wenn man es nicht verbrennt, hunderte Jahre auf der Erde bleiben würde. Führt man herkömmlichen Kunststoff nun aber dem Recycling Zyklus zu, kann der Plastikmüll aus den Weltmeeren bald in eine Lederhose verwandelt werden.  

Bio-basiertes Leder aus Reststoffen

Die Bio-Variante aus Reststoffen ist vegan und frei von Erdöl. Stattdessen setzt sie auf  stärkebasierten Kunststoff, auf Reste der Lebensmittelindustrie und auf Pflanzenabfälle. Die Stärke des Reststoffleders wird meistens aus Kartoffeln und Mais gewonnen. Mit einem Anteil von ca. 50 % werden zudem Reststoffe wie Blätter der Ananaspalme, Apfelreste aus der  Getränkeproduktion, Traubenreste vom Winzer und Bio-Fischhäute von Lachsfarmen verwendet.

Trama bzw. Mushroom Leder 

Als Trama bezeichnet man das schwammige Untermaterial von einem Baumpilz. Es zeichnet sich  durch eine raue lederartige Oberfläche aus, ist sehr weich und samtig. Das Pilzleder wird durch ein Verfahren gewonnen, bei dem der Pilz in Schichten geschnitten und in mehreren Zyklen abwechselnd gezogen, gedehnt, befeuchtet und wieder getrocknet wird. Das vegane Pilzleder ist ein atmungsaktives Fasermaterial. Jedoch ist es nicht reißfest und hat somit keine vergleichbare Farbstabilität wie Leder. Um eine Reißfestigkeit zu gewährleisten, muss eine Unterkaschierung eingesetzt werden. Wie offenporiges Leder, ist auch Trama äußerst wasserempfindlich. Das Fasergefüge bricht durch Feuchtigkeit stark ein, und dunkelt extrem ab. Um einen besseren Wasserschutz zu gewährleisten, kann Trama, genau wie Rauleder imprägniert werden. Die Imprägnierung dient allerdings nur als Erstschutz und hält Dauerregen nicht stand. Ein weiterer Nachteil des Pilzleders ist die geringe Fläche mit max. 30 Zentimetern, die ohne Kaschierung nicht vernäht werden kann.  
Trama ist ein schönes Material, leider jedoch nicht vergleichbar zu Leder. Bei dem aktuellen Stand  der Produktions- und Herstellungstechnik wird es ein Nischenprodukt bleiben.  

Piñatex

Das vliesartige Fasergefüge wird aus den Fasern von Ananasblättern gewonnen. Durch die  Beschichtung mit Bindemitteln oder Folien entsteht ein grobes Narbenbild mit einer lederartigen Optik. Die Verwertung der Ananasblätter dient zwar als gute Vermarktungsgeschichte, jedoch ist  noch nicht absehbar, inwiefern Piñatex das Potenzial hat ein ernsthafter Ledervedränger zu werden. Die beschichtete Faser ähnelt bisher eher beschichtetem Baumwollgewebe als Leder.

Unser Fazit

Leider gibt es nach aktuellem Stand noch keine nachhaltige Alternative, die den Stoffeigenschaften von Leder nahekommt. Es passiert allerdings einiges in der Industrie und immer mehr bekannte Labels wie z. B. Adidas versuchen Leder zu vermeiden. Besonders in der Sneaker-Szene werden vermehrt vegane Alternativen verwendet, sodass davon auszugehen ist, dass es in absehbarer Zeit weitere Fortschritte geben wird.